Nesselsucht

Nesselsucht (Urtikaria) ist eine häufige Hauterkrankung, die sich durch plötzlich auftretende, juckende Quaddeln und Rötungen der Haut bemerkbar macht. Die Veränderungen können am ganzen Körper auftreten und verschwinden meist innerhalb von Stunden wieder, können jedoch erneut auftreten.

Inhalte

Typische
Symptome

Das Leitsymptom der Urtikaria sind Quaddeln – flüchtige, erhabene Schwellungen der Haut, die stark jucken:

  • Stark juckende Quaddeln – blass bis rötlich, unterschiedlich gross
  • Flüchtig – einzelne Quaddeln verschwinden innerhalb von 24 Stunden, neue können auftreten
  • Rötung und Schwellung der umgebenden Haut
  • Angioödeme – tiefergehende Schwellungen, häufig an Lippen, Augenlidern, Händen oder Füssen
  • Brennen oder Stechen der betroffenen Stellen

Formen der
Urtikaria

Spontane Urtikaria

  • Akute Urtikaria – Dauer unter 6 Wochen. Häufig durch Infekte, Medikamente oder allergische Reaktionen ausgelöst. Selbstlimitierend.
  • Chronische Urtikaria – Beschwerden über mehr als 6 Wochen, oft über Monate oder Jahre. Häufig ohne klar identifizierbare Ursache (chronisch-spontane Urtikaria).

INDUZIERBARE URTIKARIA

Bei einigen Patienten werden die Quaddeln durch spezifische physikalische Reize ausgelöst:

  • Kälteurtikaria – Quaddeln durch Kältekontakt (z. B. kaltes Wasser, Wind)
  • Druckurtikaria – Quaddeln durch anhaltenden Druck (z. B. enge Kleidung, Sitzen)
  • Dermographismus – Quaddeln durch Kratzen oder Reiben der Haut
  • Wärme-, Licht- oder cholinergische Urtikaria – durch Wärme, UV-Licht oder Schwitzen

Mögliche
Auslöser

Die Ursachensuche ist bei der Urtikaria oft komplex. Mögliche Auslöser und Verstärker sind:

  • Infektionen – häufigster Auslöser der akuten Form (Atemwegsinfekte, Magen-Darm-Infekte)
  • Medikamente – insbesondere NSAR (z. B. Ibuprofen, Aspirin), Antibiotika
  • Autoimmune Prozesse – bei einem Teil der Patienten spielen Autoimmunprozesse eine Rolle
  • Physikalische Reize – Druck, Kälte, Wärme, UV-Licht
  • Stress – kann Schübe auslösen oder verstärken
  • Nahrungsmittelunverträglichkeiten – bei einzelnen Betroffenen können bestimmte Nahrungsmittel oder Zusatzstoffe Beschwerden verstärken; echte Nahrungsmittelallergien sind bei chronischer Urtikaria selten
  • Häufig keine eindeutig nachweisbare Ursache

Diagnostik
der Urtikaria

Bei chronischer Urtikaria empfehlen wir eine systematische Abklärung, um mögliche Ursachen zu identifizieren:

  • Ausführliche Anamnese – Verlauf, Dauer, Häufigkeit, mögliche Trigger
  • Laboruntersuchungen – je nach Anamnese und klinischem Befund: Blutbild, Entzündungsparameter, Schilddrüsenwerte, Autoantikörper
  • Allergietests – bei Verdacht auf allergische Ursache
  • Provokationstests – bei induzierbarer Urtikaria (z. B. Kältetest, Drucktest)
  • Bei Bedarf: Abklärung von Infektherden (z. B. Helicobacter pylori, Zahnherde)
  • Weitere Abklärungen erfolgen gezielt bei entsprechenden Hinweisen aus Anamnese oder Untersuchung

Therapie
der Urtikaria

Die Behandlung folgt einem Stufenkonzept und wird individuell an die Schwere und den Verlauf angepasst:

ANTIHISTAMINIKA

Moderne, nicht-sedierende Antihistaminika (z. B. Cetirizin, Loratadin, Bilastin) sind die Basistherapie. Sie blockieren die Histaminwirkung an der Haut und reduzieren Juckreiz sowie Quaddelbildung. Bei unzureichender Wirkung kann die Dosis unter ärztlicher Anleitung bis auf das Vierfache der Standarddosis gesteigert werden. Dies ist leitliniengerecht und in der Regel gut verträglich.

OMALIZUMAB (BIOLOGIKUM)

Bei chronischer Urtikaria, die auf Antihistaminika nicht ausreichend anspricht, steht mit Omalizumab ein hochwirksames Biologikum zur Verfügung. Es wird alle 4 Wochen als Spritze verabreicht und kann Beschwerden oft vollständig kontrollieren.

ERGÄNZENDE MASSNAHMEN

  • Meidung bekannter Auslöser (Medikamente, physikalische Reize)
  • Kurzfristig Kortison bei akuten schweren Schüben
  • Histaminarme Diät als Versuch bei Verdacht auf Histaminintoleranz
  • Behandlung von zugrundeliegenden Infektherden

Häufig gestellte
Fragen

In den meisten Fällen ist Urtikaria nicht gefährlich, aber sehr unangenehm. Bei Angioödemen im Bereich der Atemwege kann eine Schwellung jedoch gefährlich werden – in diesem Fall sollte sofort ein Notarzt gerufen werden.

 

Nein. Urtikaria ist nicht ansteckend. Es handelt sich um eine Reaktion der körpereigenen Mastzellen – sie kann nicht durch Berührung oder Kontakt übertragen werden.

Omalizumab ist ein biotechnologisch hergestellter Antikörper, der an IgE bindet und damit die Mastzell-Aktivierung hemmt. Es wird alle 4 Wochen als Injektion verabreicht und kann bei chronischer Urtikaria, die auf Antihistaminika nicht anspricht, eine deutliche bis vollständige Beschwerdefreiheit erzielen.

Diagnostik und Therapie der Urtikaria werden von der Grundversicherung übernommen – auch Omalizumab bei entsprechender Indikation nach erfolgter Kostengutsprache (abzüglich Franchise und Selbstbehalt).

 
Urtikaria
abklären & behandeln